Google

World Wide Web anti-scam

Seitenindex umschalten Seiten: 1 Thema versenden
Geschlossenes Thema Fette Gewinne, tolle Jobs, süße Verlockungen (Gelesen: 3.533 mal)
 
Webmaster
Themenstarter Themenstarter
Forum Administrator
*****
Offline


Abgeschlafft und ausgepufft!!

Beiträge: 25.590
Standort: Йошкар-Ола
Mitglied seit: 06. Januar 2008
Geschlecht: männlich
Stimmung: tot
Fette Gewinne, tolle Jobs, süße Verlockungen
22. Januar 2008 um 05:27
 
Natalia, Valentina oder Darya schreiben: Sie sind hübsch, jung und einsam. Sie wollen nur eins: Raus aus dem tristen zu Hause in Russland. 
Die drei würden so gerne nach Deutschland kommen, leider haben sie kein Geld für's Ticket. Wer steckt hinter diesen Emails und was ist das Ziel? 
Das c't magazin hat sich zum Schein auf die Versprechungen eingelassen und dabei interessante Erfahrungen gemacht.



Darya lebt in einem kleinen trostlosen russischen Dorf, schreibt sie. Sie hätte ein Bild von mir im Internet gefunden und will mich unbedingt zu Hause besuchen. Natalia, Valentina und Zhana - auch sie wollen in den nächsten zwei Wochen bei mir vorbeischauen. Alle sind 25, 26 Jahre alt, schreiben sie, leben in kleinen, trostlosen russischen Dörfern, haben kein Glück bei den Jungs und keine Zukunftschancen. Sie alle wollen Russland verlassen und zu mir nach Stuttgart kommen.

Tag für Tag schreiben mir Menschen, die ich nicht kenne und Firmen von denen ich noch nie gehört habe. Bei TMS Logistik soll ich etwas bestellt haben. Ein Internetreisebüro bestätigt einen Flug, den ich nie gebucht habe. Die staatliche Lotteriegesellschaft in Amsterdam benachrichtigt mich: Sie habe gewonnen - eine Millionen US-Dollar. 3.000 bis 4.000 Dollar Anfangsgehalt bietet mir eine Firma, ich müsse nur mein Konto zur Verfügung stellen. Und ein Mann, er nennt sich Dr. Edward Bossale aus Zimbabwe will 50 Millionen Dollar investieren und will mich an diesem Geschäft beteiligen.
 
Der schöne Schein
Alles zu schön um wahr zu sein, sagt Sebastian Schreiber. Er kennt sie, die Fallensteller im Internet. Er ist ein Profi-Hacker. Große Firmen bezahlen viel Geld dafür, dass er Sicherheitslücken findet und schließt.

Sebastian Schreiber, Profi-Hacker: "Das Leben ist nicht so, dass einem jemand 18.000.000 Dollar schenkt oder dass einem plötzlich unbekannte Russinnen besuchen wollen. Die Lebenserfahrung lehrt, dass das eigentlich nicht sein kann. Man sollte das immer kritisch hinterfragen. Kann das sein, dass ich von zu Hause in meiner Freizeit monatlich 15.000 Euro nebenher verdienen kann. Wenn der gesunde Menschenverstand sagt: "Nein!", dann kann man diese Email löschen."

Herz-erweichende Briefe
Aber was wollen Darya und all die anderen wirklich? Was ist ihre Masche, was ist ihr Geschäft? Darya und Zhana bekommen Post von mir: Ja, auch ich habe ein einsames Herz, ein kleines Geschäft, ein bisschen Geld.

Die beiden schicken hübsche Bilder, schreiben herz-erweichende Briefe, von der großen Einsamkeit in der endlosen russischen Tundra und den großen Hoffnungen in der Fremde. Nach wenigen Mails hin und her machen sich beide fast zeitgleich auf den Weg nach St. Peterburg. Sie wollen von dort aus zu mir nach Stuttgart fliegen.

Beide schicken mir, um zu dokumentieren, dass sie es ernst meinen, die Kopie ihres Personalausweises. Das hätten sie besser nicht tun sollen. Es fällt sofort auf: Daria und Zhana haben die gleiche Unterschrift. Aber es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten: in der maschinenlesbaren Datenzone, beim Ausstellungsdatum und vor allem sind die Passnummern identisch. Beide Ausweise: eine plumpe Fälschung!
 
Millionen von Kontakten
Ich schreibe nichts von meiner Entdeckung, ich will wissen was ihr nächster Schritt ist, was hat Dharia, was hat Zhana am Ende vor? Beide brauchen Geld für das Flugticket. Die Mails nahezu identisch. Daria will 500 US-Dollar geschickt bekommen, Zhana sogar 600 Dollar. Als ich zurückschreibe, dass ich unsere zarte Beziehung nicht gleich mit Gelddiskussionen belasten will, schlafen meine Russinnen-Kontakte ein.

Wer ihre Spuren im Internet weiterverfolgt stellt fest: Allein Daria hat weltweit Millionen von Männern geschrieben mit Dutzenden von Namen und Adressen. Daria, Zhana und wie sie auch heißen - es gibt sie nicht. Sie sind reine Phantasie, Lockmittel der russischen Betrugsindustrie.

Im Landeskriminalamt in Stuttgart, Abteilung Computerkriminalität, sind diese und ähnliche Maschen bekannt. Zigtausende von Mails aus der ganzen Welt mit betrügerischen Absichten landen Tag für Tag in den Postfächern des Landes.


Frank Eißmann, LKA Stuttgart: "Diese Emails werden aus dem Ausland verschickt. Allein das Versenden stellt aber noch keine Straftat dar."

 
Der reiche Onkel aus Afrika
Auch gegen Peter Uche kann hier zu Lande keiner etwas tun. Der Westafrikaner aus Benin behauptet Rechtsanwalt zu sein und teilt mir mit: ein wohlhabender Verwandter von mir sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen und habe 18,5 Millionen Dollar hinterlassen.

Zum Test schreibe ich mit falschen Familiennamen als Jürgen Fritz zurück und prompt trägt auch mein Verwandter plötzlich genau diesen Namen. Ich erfahre, dass 40 Prozent der Erbschaft mir gehören, wenn ich die Formalitäten bei der Continental Trust Bank of Benin hinter mich gebracht hätte. Eine solche Bank finde ich sogar im Internet, aber in Wirklichkeit gibt es sie nicht. Trotzdem will ein Direktor für Operationen im Ausland 4250 Euro Bankgebühren für das Millionengeschäft.

Ich kündige zum Schein ein, dass ich nach Cotonou fliegen werde, der Hauptstadt Benins, um die Bankgebühren persönlich zu überbringen und mein Erbe abzuholen. Kurz vor meinem angekündigten Abflugtermin kommt eine Mail vom Bankdirektor persönlich: ich müsse mindestens 15.000 Euro mitbringen...
 
Wie wäre die Geschichte weitergegangen, wenn ich wirklich geflogen wäre? Immer neue Gebühren, immer neue Bestechungsgelder hätten gezahlt werden müssen, um an das Erbe heranzukommen. Und am Ende: eine Kiste mit Scheinen, die leider unbrauchbar sind, weil sie angeblich von der Steuerfahndung geschwärzt wurden. Viele Betrogene haben das erleiden müssen.

Ich teile meinem Geschäftspartner mit, dass ich ihm nur ein bisschen die Zeit stehlen wollte, damit er beschäftigt ist und hilflosen Opfern nicht das Geld stehlen kann. Anwalt Uche antwortet nur knapp: Jürgen, fahr zu Hölle!
 
Lukrativer Nebenverdienst gefällig?
Also doch lieber ein paar Tausend Euro im Monat nebenher verdienen mit dem Job des Zahlungsmanagers, der nur wenig Stunden arbeiten und nur sein Konto zur Verfügung stellen muß?
Ich bewerbe mich bei der Platinway Corporation. Aber auch diese Firma, so stellt sich heraus, gibt es nicht in der realen Welt. Und der Zahlungsmanager wäscht in Wirklichkeit Schwarzgeld, das vorher von Bankkunden beim Onlinebanking gestohlen worden ist.

Sebastian Schreiber, Profi-Hacker: "Das ist sehr unschön. Da geht es ums Ausnutzen durch Phishing gestohlener PIN-TAN-Kombinationen. Da sollen Sie für das Durchreichen von Geld, das heißt für die Anonymisierung des eigentlichen Bankräubers missbraucht werden. Ich rate dringend davon ab, sowas zu machen. Sie machen sich als Mittäter strafbar und müssen eventuell für den gesamten Schaden aufkommen."



Kann das wirklich sein? Es lohnt sich, diese Frage immer wieder zu stellen. Unrealistische Träume - einfach wegklicken.

Ein Bericht von Jürgen Rose 


« Zuletzt geändert: 27. März 2021 um 13:14 von Webmaster »  
Zum Seitenanfang
IP gespeichert
 
Seitenindex umschalten Seiten: 1
Thema versenden
Link zu diesem Thema