Google

World Wide Web anti-scam

Seitenindex umschalten Seiten: 1 Thema versenden
Geschlossenes Thema Das miese Geschäft mit den einsamen Herzen (Gelesen: 4.268 mal)
 
Webmaster
Themenstarter Themenstarter
Forum Administrator
*****
Offline


Abgeschlafft und ausgepufft!!

Beiträge: 25.590
Standort: Йошкар-Ола
Mitglied seit: 06. Januar 2008
Geschlecht: männlich
Stimmung: tot
Das miese Geschäft mit den einsamen Herzen
06. Januar 2008 um 19:46
 
Wie organisierte Banden Singles abkassieren
hr, Dienstag, 2. Oktober 2007

Ein Bericht von Daniel Mauke


Manfred Spremberger liebt das Leben auf der Insel Föhr in der Nordsee - wäre da nicht die Einsamkeit. „Ich bin seit einigen Jahren geschieden, lebe seit gut vier Jahren auf der Insel und mir ist es eigentlich leid, alleine zu sein, und deshalb suche ich eine neue Partnerin und das natürlich hier“, erzählt er.

Der Insulaner gibt im Internet eine Kontaktanzeige auf. Schon bald meldet sich eine junge Russin namens Ekaterina. Sie schreibt ihm Mails, schickt Fotos. Die beiden mailen sich täglich, schmieden Pläne: Von Heirat ist die Rede, vom Kinderkriegen - die ganz große Liebe eben. Spremberger ist begeistert: „Ich bin mittlerweile jetzt gut in die 50, und da hat man nicht viele Chancen, groß noch mal neu anzufangen“. Den ersten Besuch Ekaterinas kann Spremberger kaum erwarten. Dass sie von ihm verlangt, die Reisekosten zu bezahlen, wundert ihn nicht. Sie hat eben kein Geld. Auch die Höhe von 2500 Euro macht den Mann nicht stutzig – ohne Zögern überweist er das Geld. 

Auch im 500 Kilometer entfernten Bad Hersfeld hat sich jemand auf den Besuch von Ekaterina gefreut. Er möchte nicht namentlich genannt werden, schämt sich. In Hunderten von E-Mails hat sie auch ihm die Liebe versprochen. Und auch er zahlt bereitwillig – fast 3000 Euro! „Was tut man nicht alles aus Liebe, in der Hoffnung, dass alles gut läuft, dass alles ehrlich gemeint ist. Als Beweis ihrer Identität ließ sie mir eine Kopie ihres Personalausweises zukommen, wo für mich sicher war, dass das alles korrekt ist.“ Wieder bleibt der Platz gegenüber am Frühstückstisch leer. Ekaterina kommt nicht. 

Wer ist diese Frau, die einsame deutsche Männer abkassiert? [plusminus] vergleicht die Ausweiskopien, die sie den beiden Männern geschickt hat: In kyrillischer Schrift heißt sie einmal Ekaterina Derbeneva, auf dem anderen Pass dann Ekaterina Rhozentsova. Wir zeigen die Ausweise dem Ermittler Lothar Zierke vom LKA Niedersachsen. Sein Urteil: „Der Ausweis ist offensichtlich gefälscht, das erkennt man auch daran, dass sich der Name und die Adresse ändert, das Bild jedoch häufig das gleiche ist. Dass es sich hier um einen Phantasiestempel handelt, dass das Passbild ganz gerade geschnitten und eingefügt worden ist, kann natürlich auch schon ein Laie entdecken, wenn man das Bild genauer betrachtet.“
Ekaterina mailt Männern in etlichen Ländern
Unsere Recherche zeigt die immense Dimension dieser Masche. Wir finden zahllose Erfahrungsberichte betrogener Männer aus etlichen Ländern: Holland, Belgien, Finnland und den USA. Die Masche der Betrügerin ist immer gleich. Die Identität wechselt sie ständig: Neben Ekaterina nennt sie sich Julia Budakova, Oksana Lovoksina - nur eine kleine Auswahl ihrer Pseudonyme. Den Opfern gaukelt sie Liebe vor und kassiert dann ab. Hunderte Männer werden so in die Falle gelockt. Das ist zu viel für eine Einzeltäterin! 

Immer wieder stoßen wir bei unseren Recherchen auf die Stadt Yoshkar-Ola, knapp 800 Kilometer östlich von Moskau. Die Bar-Überweisungen der geprellten Männer landen hier, verschwinden dann spurlos. Dieses Polizeivideo, ausgestrahlt im russischen Staatsfernsehen, bestätigt unseren Verdacht: Yoshkar-Ola ist das Zentrum der Liebesabzocke!

Ein wenige Monate altes Polizeivideo zeigt den bislang größten Einsatz gegen die Bande. Über 200 Kriminelle werden verhaftet, unzählige Computer und Bankbelege sichergestellt. Die Erkenntnis der russischen Ermittler: allein die in diesem Einsatz geschnappten Täter haben mehr als 10.000 Männer weltweit abkassiert. Und das ist nur ein Bruchteil dieser kriminellen Szene.
Ein Netzwerk, das rund um die Uhr arbeitet
Im russischen Innenministerium gibt es eine Spezialeinheit für Computerkriminalität. Ermittlerin Irina Subarjowa beschreibt die Arbeitsweise der Kriminellen: „Die mieten Wohnungen an, dort wird an mehreren Computern ununterbrochen im Schichtdienst gearbeitet und per E-Mail der Kontakt mit den ausländischen Opfern geführt. In den Banden sind Fachleute, die viele Fremdsprachen können, Computerspezialisten und Psychologen, die genaue Profile von ihren Opfern erstellen. Das alles hat nur ein Ziel: möglichst viel Geld von den Opfern zu bekommen.“

Statt die große Liebe zu finden, geraten die Opfer so in die Fänge der Russenmafia. Die deutschen Ermittler sind dabei eher hilflos. "Die Personen, die im Internet angeboten werden, existieren real überhaupt nicht", erklärt Lothar Zierke vom Landeskriminalamt Niedersachsen. Wir müssen das realistisch so betrachten, dass, wer einmal überwiesen hat, das Geld nicht wiederbekommt " 

Manfred Spremberger hat trotzdem eine Anzeige erstattet – auch die deutsche Botschaft in Moskau hat er alarmiert – geholfen hat ihm niemand. Schlimmer als der finanzielle Verlust ist für ihn aber die Gewissheit, dass seine neue russische Verlobte am Ende nichts als eine Erfindung von Verbrechern war.

Autor: Daniel Mauke






« Zuletzt geändert: 27. März 2021 um 13:22 von Webmaster »  
Zum Seitenanfang
IP gespeichert
 
Seitenindex umschalten Seiten: 1
Thema versenden
Link zu diesem Thema